Berichte der Buchautorin Dorette Deutsch


Wer Ligurien liebt, wird auch die Bücher von Dorette Deutsch mögen. Sie lebt seit vielen Jahren in Vernazza und hat bisher drei Bücher über Ligurien veröffentlicht.


Als RSS-Feed abonnieren


Berichte der Buchautorin Dorette Deutsch (19)
Wie in vielen Gegenden, wo in der Vergangenheit große Armut herrschte, hat sich auch in der Lunigiana eine unberührte Landschaft erhalten. Es ist ein Gebiet voll ungewöhnlich reizvoller Gegensätze, wo sich die fruchtbare Ebene des Magra-Flusses mit dem Küstenstreifen verbindet und der Blick vom Meer auf eine blendendweisse Berglandschaft fällt...
 
„Meine Kunst zu erzählen hat ihren Ursprung in der Küche meiner Urgroßmutter Veronica. Ich stamme aus einer bäuerlichen Großfamilie, wie es sie zu Beginn der fünfziger Jahre noch gab. Und wie überall auf der Welt, wo Land bearbeitet wird, hat man im Sommer zwölf Stunden am Tag auf den Feldern gearbeitet, bis zur Grenze der Erschöpfung...
 
Am Ende ist sie wie eine Freundin vertraut, die Aurelia, deren Name wie der einer geheimnisvollen Schönheit klingt. Zwischen den beiden ligurischen Hafenstädten La Spezia und Genua verläuft eine der schönsten Teilstrecken der alten Römerstrasse. Auf gerade 113 Kilometer durchquert sie Ligurien, und doch geht ihr Weg hier durch Welten, wie sie nicht verschiedener sein könnten...
 
Mein Gang durch Genua beginnt meist in der Via Garibaldi, eine der prachtvollsten Strassen Genuas. Früher hieß sie Strada nuova; neben der Strada nuovissima, der heutigen Via Cairoli, und der Via Balbi ist sie eine der drei zentralen Achsen der Stadt. Genua ist eine vertikale Stadt, ohne eigentliches Zentrum, dafür mit drei Achsen, den drei Prachtstrassen, die die Stadt durchziehen...
 
Schiefer ist ein typisch ligurischer Stein, bescheiden und widerspenstig wie die ligurische Erde oder wie die Ligurer selbst. Das tiefe Schwarz verleiht dem Stein einladenden Glanz, doch bei genauerer Betrachtung ist Schiefer weich und gefügig. Seit dem 8. Jahrhundert v...
 
Jeden Dienstag und Donnerstag kommt der Fischhändler vorbei. Er ruft an, wenn er in Corniglia losfährt, dann holt mich Francesca mit der roten Verspa ab. „Vuoi pesci?“ Ab Ende Juni lasse ich alles liegen und stehen und fahre mit Francesca die Strasse hinauf, natürlich in der Hoffnung, dass es acciughe gibt...
 
Von Don Andrea Gallo hatte ich schon lange gehört, bevor ich ihn kennengelernt und mich daran gemacht hatte, Genua zu entdecken. Ich weiss noch, wie ich damals ganz aufgeregt vom Bahnhof Porta Principe die Comunità San Benedetto aufgesucht hatte. Ich war viel zu früh, und hatte in der angrenzenden Kirche die Madonnenbilder betrachtet...
 
Neben der immergrünen Macchia, Steineichen und vielen Pinien prägen vor allem die leuchtenden Zitronenbäume die Vegetation an der Küste. Bereits Märchenerzähler Hans Christian Andersen war fasziniert von den Zitronenbäumen, die für alle, die aus dem Norden kommen, ein Bild des ewigen Frühlings darstellen: Zu recht gelten Zitronen als Lebenselixier, denn Zitronenbäume sind ein Wunder der Natur: Sie blühen im Februar, im Juni und im Oktober, während gleichzeitig die reifen Früchte geerntet werden...
 
Vor meinem Haus hält ein silbernes Auto der oberen Mittelklasse. Wollen Sie zu mir? - Nein, wir wollten hier nur parken. - Eigentlich stehen Sie in meinem Garten. Wie lange bleiben Sie denn? - Wir möchten zu Fuß ins Dorf gehen, denn wir wollen den Menschen und der Natur hier Respekt entgegenbringen...
 
„In der Vergangenheit,“ erzählt Liedermacher Max Manfredi, „war man stolz darauf, aus Genua zu stammen. Das hat mit der großen Vergangenheit der Stadt als ‚Superba,’ als Herrin der Meere, zu tun. Überall im Mittelmeerraum wurde genuesisch gesprochen: Wenn sich die Mannschaft eines Schiffes in der Türkei einem Leuchtturmwärter verständlich machen wollte, hat man es in allen Sprachen versucht...
 
Ich lerne Sergio Alemanno am alten Hafen kennen, als er die Genueser Nationalhymne „Ma se ghe pensu“ über das Schicksal der Emigranten für eine Schulklasse singt. Mit dabei ist Franco Piccolo, mit dem er zwei seiner wichtigsten Lieder, „O strasse“ und „Ostaie,“ geschrieben hat...
 
In Giacomos Zitronenhain steht eine windschiefe Holzhütte in Blautönen und Türkis. Auf den „cian,“ von Trockenmauern gestützten schmalen Terrassen, wachsen Zitronen und Weinreben in gleichmäßigen Reihen. Der Winter war besonders hart, auch wenn das Grundstück auf einer geschützten Anhöhe liegt...
 
In den Gärten wuchsen Orangen und Granatäpfel, und die blühenden Zitronenbäume erinnerten an den Frühling, wenn es im Norden noch Winter war: Nicht wie heute im Frühling oder Sommer, sondern im milden Winter suchten im 19. Jahrhundert russische Fürsten, Maler und Dichter die Riviera auf...
 
Die Mimosen meiner Nachbarin Silvana blühen bereits Ende Februar. Manchmal schenkt sie mir einen Zweig, einen winzigen nur, weil der Baum selber noch am Wachsen ist. Dafür besitzt die Renault-Werkstatt in Levanto einen riesigen Baum: Jedes Jahr zum 8. März schneiden die beiden Inhaber verschwenderische Zweige ab, die sich, wer vorbeikommt, einfach nehmen darf...
 
Wenn ich Sehnsucht nach Ligurien habe, koche ich zwei Gerichte. Das ist einmal Antonias Pilzsugo: Zutaten (für 2 Personen) Eine Handvoll getrocknete (oder frische) Steinpilze (sonst pro Person 100 g frische Austernpilze, in Streifen geschnitten) 1 Knoblauchzehe 1 Zwiebel 1 Glas Weißwein 4-5 frische Tomaten, geschält und gewürfelt, oder eine Dose geschälte Tomaten 1 Peperoncino-Schote, Salz, Petersilie, Thymian, Zubereitung: Getrocknete Pilze ca 30 Minute in lauwarmem Wasser einweichen...
 
Am Abend kommt Roberto auf ein Glas Wein vorbei. Mitte Februar müssen die Olivenbäume geschnitten werden. Die Olivenernte im letzten Jahr war von der Qualität her gut, der Ertrag leider eher gering. Denn im Mai hatte die große Hitze die frischen Blüten verdorren lassen. Roberto ist einer der wenigen, die im Hinterland der Cinque Terre noch Land bestellen...
 
Gegen Abend verlieren sich die hellgrauen Wellen in den Farben des Horizonts. Wenn dann die Sonne über der Riviera di Ponente langsam untergeht, wirft das Meer ihre Strahlen auf die Landschaft zurück und taucht Berge und Täler in irreal glühende Farben ein. Keiner Postkarte würde man glauben, was man hier jeden Abend mit eigenen Augen sieht: ein Ball aus Feuer, der im Blau versinkt...
 
Von Anfang November an herrscht eine besondere Stimmung an der ligurischen Küste. Die Olivenernte hat begonnen. Schon in den Wochen davor werden die Netze ausgespannt und die großen Jutesäcke für die reifen Früchte bereit gestellt. Etwas mühsamer ist es, die Früchte direkt von den Bäumen zu ernten, was aber mehr Frische garantiert...
 
Aus den Häusern über den Hügeln dringen Rauchschwaden, der Geruch nach Holzfeuer ist allgegenwärtig. Trotz klirrender Kälte kommen an den Wochenenden ein paar Besucher hierher, die die tröstliche Nähe des Meeres suchen.

Die ganze Landschaft hat sich in ihr Winterkleid gehüllt...
 
   
myliguria


Für Sie ausgewählt
Präzise Landschaftsfotografie
Info
Ort: Ligurien

mehr >>

1 von 1967 Einträgen