Dorettes Ligurien-Blog
Wer Ligurien liebt, wird auch die Bücher von Dorette Deutsch mögen. Sie lebt seit vielen Jahren in Vernazza und hat bisher drei Bücher über Ligurien veröffentlicht.
| Jeden Dienstag und Donnerstag kommt der Fischhändler vorbei. Er ruft an, wenn er in Corniglia losfährt, dann holt mich Francesca mit der roten Verspa ab. „Vuoi pesci?“ Ab Ende Juni lasse ich alles liegen und stehen und fahre mit Francesca die Strasse hinauf, natürlich in der Hoffnung, dass es acciughe gibt... | |
| Von Don Andrea Gallo hatte ich schon lange gehört, bevor ich ihn kennengelernt und mich daran gemacht hatte, Genua zu entdecken. Ich weiss noch, wie ich damals ganz aufgeregt vom Bahnhof Porta Principe die Comunità San Benedetto aufgesucht hatte. Ich war viel zu früh, und hatte in der angrenzenden Kirche die Madonnenbilder betrachtet... | |
| Neben der immergrünen Macchia, Steineichen und vielen Pinien prägen vor allem die leuchtenden Zitronenbäume die Vegetation an der Küste. Bereits Märchenerzähler Hans Christian Andersen war fasziniert von den Zitronenbäumen, die für alle, die aus dem Norden kommen, ein Bild des ewigen Frühlings darstellen: Zu recht gelten Zitronen als Lebenselixier, denn Zitronenbäume sind ein Wunder der Natur: Sie blühen im Februar, im Juni und im Oktober, während gleichzeitig die reifen Früchte geerntet werden... | |
| Vor meinem Haus hält ein silbernes Auto der oberen Mittelklasse. Wollen Sie zu mir? - Nein, wir wollten hier nur parken. - Eigentlich stehen Sie in meinem Garten. Wie lange bleiben Sie denn? - Wir möchten zu Fuß ins Dorf gehen, denn wir wollen den Menschen und der Natur hier Respekt entgegenbringen... | |
| „In der Vergangenheit,“ erzählt Liedermacher Max Manfredi, „war man stolz darauf, aus Genua zu stammen. Das hat mit der großen Vergangenheit der Stadt als ‚Superba,’ als Herrin der Meere, zu tun. Überall im Mittelmeerraum wurde genuesisch gesprochen: Wenn sich die Mannschaft eines Schiffes in der Türkei einem Leuchtturmwärter verständlich machen wollte, hat man es in allen Sprachen versucht... | |
| Ich lerne Sergio Alemanno am alten Hafen kennen, als er die Genueser Nationalhymne „Ma se ghe pensu“ über das Schicksal der Emigranten für eine Schulklasse singt. Mit dabei ist Franco Piccolo, mit dem er zwei seiner wichtigsten Lieder, „O strasse“ und „Ostaie,“ geschrieben hat. „Natürlich ist „Ma se ghe pensu“ das schönste Lied der Welt, sagt Sergio, „aber ich hasse es... | |
| In Giacomos Zitronenhain steht eine windschiefe Holzhütte in Blautönen und Türkis. Auf den „cian,“ von Trockenmauern gestützten schmalen Terrassen, wachsen Zitronen und Weinreben in gleichmäßigen Reihen. Der Winter war besonders hart, auch wenn das Grundstück auf einer geschützten Anhöhe liegt. Obwohl das Fruchtfleisch bei den herabgefallenen Früchten nicht mehr verwendet werden kann, sind die makellosen Schalen noch zum Ansetzen von Limoncino geeignet... | |
| In den Gärten wuchsen Orangen und Granatäpfel, und die blühenden Zitronenbäume erinnerten an den Frühling, wenn es im Norden noch Winter war: Nicht wie heute im Frühling oder Sommer, sondern im milden Winter suchten im 19. Jahrhundert russische Fürsten, Maler und Dichter die Riviera auf. Die Küste bei Rapallo, Santa Margherita und Portofino ist der einzige Ort der Welt, findet Giulio Ciana, der als Abkömmling der Hoteliers-Familie Ciana noch im Hotel „Regina Elena“ geboren ist, wo man den wahren Reiz einer „heur bleu“ erleben kann... | |
| Die Mimosen meiner Nachbarin Silvana blühen bereits Ende Februar. Manchmal schenkt sie mir einen Zweig, einen winzigen nur, weil der Baum selber noch am Wachsen ist. Dafür besitzt die Renault-Werkstatt in Levanto einen riesigen Baum: Jedes Jahr zum 8. März schneiden die beiden Inhaber verschwenderische Zweige ab, die sich, wer vorbeikommt, einfach nehmen darf... | |
| Wenn ich Sehnsucht nach Ligurien habe, koche ich zwei Gerichte. Das ist einmal Antonias Pilzsugo: Zutaten (für 2 Personen) Eine Handvoll getrocknete (oder frische) Steinpilze (sonst pro Person 100 g frische Austernpilze, in Streifen geschnitten) 1 Knoblauchzehe 1 Zwiebel 1 Glas Weißwein 4-5 frische Tomaten, geschält und gewürfelt, oder eine Dose geschälte Tomaten 1 Peperoncino-Schote, Salz, Petersilie, Thymian, Zubereitung: Getrocknete Pilze ca 30 Minute in lauwarmem Wasser einweichen... | |
| Am Abend kommt Roberto auf ein Glas Wein vorbei. Mitte Februar müssen die Olivenbäume geschnitten werden. Die Olivenernte im letzten Jahr war von der Qualität her gut, der Ertrag leider eher gering. Denn im Mai hatte die große Hitze die frischen Blüten verdorren lassen. Roberto ist einer der wenigen, die im Hinterland der Cinque Terre noch Land bestellen... | |
| Gegen Abend verlieren sich die hellgrauen Wellen in den Farben des Horizonts. Wenn dann die Sonne über der Riviera di Ponente langsam untergeht, wirft das Meer ihre Strahlen auf die Landschaft zurück und taucht Berge und Täler in irreal glühende Farben ein. Keiner Postkarte würde man glauben, was man hier jeden Abend mit eigenen Augen sieht: ein Ball aus Feuer, der im Blau versinkt... | |
| Von Anfang November an herrscht eine besondere Stimmung an der ligurischen Küste. Die Olivenernte hat begonnen. Schon in den Wochen davor werden die Netze ausgespannt und die großen Jutesäcke für die reifen Früchte bereit gestellt. Etwas mühsamer ist es, die Früchte direkt von den Bäumen zu ernten, was aber mehr Frische garantiert... | |
|
Aus den Häusern über den Hügeln dringen Rauchschwaden, der Geruch nach Holzfeuer ist allgegenwärtig. Trotz klirrender Kälte kommen an den Wochenenden ein paar Besucher hierher, die die tröstliche Nähe des Meeres suchen. Die ganze Landschaft hat sich in ihr Winterkleid gehüllt. Wer die Felder bestellt, hat wenig zu tun: Weinreben schneiden, den Holzvorrat für die nächsten Monate sichern... |
|
